Kombinatorik-Werkbank
Grundmodelle des Zählens mit kontextbasierten Beispielen
Modellklassifikator für Zählprobleme 🖖
Das Schwierige an der Kombinatorik ist selten die Rechnung – es ist die richtige Einordnung der Textaufgabe. Zwei Ja/Nein-Fragen erledigen fast die ganze Arbeit: Spielt die Reihenfolge eine Rolle (Anordnen vs. Auswählen), und darf dasselbe Element mehrfach gewählt werden (mit oder ohne Wiederholung)? Allein diese beiden Antworten ordnen jedes Problem einem von vier Grundmodellen zu – Permutationen, Kombinationen, Permutationen mit Wiederholung und Kombinationen mit Wiederholung („Sterne und Balken") –, weshalb ein Ausschuss, eine Aufstellung, ein PIN-Code und ein Lottoschein trotz oberflächlicher Ähnlichkeit jeweils eine andere Formel benötigen. Inklusion-Exklusion und Derangements gibt es genau deshalb, weil reale Probleme oft die sauberen Annahmen dieser vier Modelle verletzen, indem sich Mengen überschneiden oder exakte Treffer verboten sind – Fälle, die die Grundformeln allein nicht abdecken.
Zählen ohne Auflisten 🖖
Der Sinn der Kombinatorik ist es, die Zahl der Anordnungen zu bestimmen, ohne sie alle aufzuschreiben. Eine 4-stellige PIN hat nur 10⁴ = 10,000 Möglichkeiten, die man sich noch als Liste vorstellen könnte, doch ein Lottotipp „6 aus 49“ ergibt C(49,6) = 13,983,816 — die zählt niemand von Hand ab. Die Formeln hier liefern die exakte Gesamtzahl in einem Schritt und verwandeln eine aussichtslose Aufzählung in eine kurze Rechnung. Deshalb zeigt das Werkzeug stets die Anzahl, ihre Stellenzahl und für die wirklich riesigen Werte eine wissenschaftliche Notation.
Wichteln versteckt die Zahl e 🖖
Das Derangement-Modell zählt Anordnungen, bei denen nichts an seinem eigenen Platz sitzt — der Wichtel-Fall, bei dem niemand den eigenen Namen zieht. Bemerkenswert: Der Anteil aller Permutationen, die Derangements sind, strebt fast sofort gegen 1/e ≈ 0.3679 — schon bei 6 Personen stimmt er auf drei Nachkommastellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass beim zufälligen Wichteln niemand den eigenen Namen zieht, liegt also bei rund 37% und ändert sich kaum, ob die Gruppe 6 oder 600 Mitglieder hat. Die Konstante e aus Analysis und Zinseszins fällt direkt aus einem reinen Zählproblem heraus.
Beispielaufgaben
- Ausschussauswahl - 3 Personen aus 10 auswählen: Reihenfolge spielt keine Rolle
- 5-Karten-Hand - 5-Karten-Hand
- Lotto-Auswahl - Lottoziehung
- Podiumsreihenfolge - Top-3-Podium aus 10: Reihenfolge zählt
- Passwort mit unterschiedlichen Zeichen - Passwort mit unterschiedlichen Zeichen
- alle anordnen - alle anordnen
- PIN-Code - 4-stellige PIN: Wiederholung erlaubt
- Produktcode - Produktcode
- Eiskugeln - 3 Kugeln aus 8 Sorten: Reihenfolge egal, Wiederholung erlaubt
- identische Kugeln - identische Kugeln
- BALLOON - Anordnungen von BALLOON mit wiederholten Buchstaben
- MISSISSIPPI - MISSISSIPPI
- verschiedene in Fächer (beliebig) - unterscheidbar auf Fächer (beliebig)
- verschiedene in Fächer (surjektiv) - 6 unterschiedliche Aufgaben auf 3 Mitarbeiter verteilen, jeder bekommt mindestens eine
- identische in Fächer (beliebig) - identisch auf Fächer (beliebig)
- identische in Fächer (nicht leer) - identisch auf Fächer (nicht leer)
- mindestens ein Ass - 5-Karten-Hand mit mindestens einem Ass über das Gegenereignis
- Drei-Mengen-Vereinigung - Vereinigung dreier Mengen
- runder Tisch - 7 Personen an einem runden Tisch setzen: Drehungen gelten als gleich
- Wichteln - Wichteln zählen: niemand zieht seinen eigenen Namen
- Gitterweg - Kürzeste Gitterwege unter Vermeidung einer gesperrten Zelle