Lektion
Die Theorie — Absorptions- & Emissionslinien
Eine Spektrallinie ist diejenige Wellenlänge, bei der ein Gas wesentlich besser absorbiert und emittiert als in der direkten Umgebung. Platziere dieses Gas vor eine Hintergrundquelle, und zwei Dinge passieren auf einmal. Es schwächt das von hinten kommende Licht um den Faktor e−τ ab und fügt eigenes Licht hinzu. Was du am Ende siehst, ist die Summe, I = Isourcee−τ + B(Tgas)(1 − e−τ) – und diese Gleichung gilt unverändert, ob die Linie nun dunkel oder hell erscheint.
Was die einzelnen Symbole bedeuten
τ- optische Tiefe: wie viel vom Hintergrundlicht das Gas durchdringt, ausgedrückt als e hoch minus τ
B(T)- die Helligkeit, die ein Körper der Temperatur T bei dieser Wellenlänge abstrahlt
- Setzt voraus
- Eine Linie, eine Gasschicht mit einheitlicher Temperatur und lokales thermodynamisches Gleichgewicht – das Gas strahlt also wie ein Körper seiner eigenen Temperatur. Eine reale Sternatmosphäre besitzt eine Temperatur, die sich mit der Tiefe ändert. Eben das verleiht echten Linien ihre Form, anstatt dass sie bloß eine einzige Tiefe aufweisen.
Aufgabe vollständig gelöst
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Wie tief die Linie reicht und wie kalt das Gas sein muss 7 Schritte
Licht verlässt eine Photosphäre mit 5772 K und durchquert eine 4500 K heiße Schicht der sterneneigenen Atmosphäre. Die Schicht ist bei H-Alpha, 656,28 nm in Luft, exakt eine optische Tiefe dick. Berechne, wie weit unterhalb des Kontinuums der Linienkern liegt. Danach betrachtest du dieselbe Physik rückwärts: Ein zweiter Stern mit derselben 5772 K heißen Oberfläche und gleicher optischer Tiefe zeigt seinen H-Alpha-Kern 25,0 % unterhalb seines Kontinuums. Wie heiß ist das absorbierende Gas?
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Das Plancksche Strahlungsgesetz verlangt vor allem anderen nach einem Exponenten. Bei fester Wellenlänge ist dieser Exponent eine Konstante geteilt durch eine Temperatur. Bei 656,28 nm ergibt hc/λk den Wert 21923,2 K. Der Exponent der Quelle ist somit 21923,2/5772 = 3,7982. Wenn du das einsetzt, erhältst du für die Strahldichte des Kontinuums 2,24 × 10¹³ W·m⁻²·sr⁻¹·m⁻¹. Genau das steht in der Zeile für die Strahldichte des Kontinuums.
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Das Gas gehorcht bei seiner eigenen Temperatur demselben Gesetz. 21923,2/4500 = 4,87183. Ein größerer Exponent bedeutet einen größeren Nenner und damit weniger Strahldichte: 7,55 × 10¹². Die Zeile für die eigene Strahldichte des Gases bestätigt das. Die Natur der Linie entscheidet sich bereits hier, noch bevor die optische Tiefe ins Spiel kommt. Eine kältere Oberfläche strahlt bei jeder Wellenlänge schwächer, daher kann der Kern letztlich nur dunkler als das Kontinuum werden.
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Eine Schicht der optischen Tiefe τ macht zwei Dinge gleichzeitig. Sie lässt einen Bruchteil e^−τ des Lichts dahinter passieren, was bei τ = 1 den Wert 0,36788 ergibt. Den Rest ersetzt sie durch ihre eigene Emission, nämlich 0,63212 von B. Transmittiert 8,25 × 10¹² plus emittiert 4,77 × 10¹² ergibt 1,30 × 10¹³ in der Zeile für die beobachtete Linienstrahldichte. Diese beiden Zahlen beschreiben den gesamten Strahlungstransport durch eine solche Schicht.
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Kontrast ist das, was der Beobachter sieht, minus dem, was er ohne das Gas gesehen hätte. Schreibe es so, wie es die Kontrastzeile tut, nämlich als (B − I₀)(1 − e^−τ). Dann findet die Subtraktion vor der Skalierung statt, und zwei gleiche Temperaturen heben sich zu einer sauberen Null auf. −1,48767 × 10¹³ mal 0,63212 ergibt −9,40 × 10¹².
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Dividiere durch das Kontinuum und du erhältst eine Tiefe von 41,9 %. Die Zeile darunter, Linie verschwindet bei, zeigt 5772 K. Dieser Wert ist nicht nur ungefähr richtig, sondern absolut exakt. Bei der Eigentemperatur der Quelle ist B − I₀ eine Zahl minus sich selbst. Der Kontrast ist demnach bei jeder Wellenlänge und jeder optischen Tiefe null. Eine dicke Wolke ist bei der richtigen Temperatur schlicht unsichtbar. Deshalb sind Tiefe und Richtung zwei völlig getrennte Fragen.
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Betrachten wir nun den Messwert, den dir ein Teleskop tatsächlich liefert. Das ist eine Tiefe und sonst nichts. Nennen wir die relative Tiefe d, dann gilt d = −ΔI/I₀ = (1 − B/I₀)(1 − e^−τ). Löse diese Gleichung nach der Strahldichte des Gases anstelle der Tiefe auf: B = I₀(1 − d/(1 − e^−τ)). Mit d = 0,250 und τ = 1 ergibt der Klammerausdruck 1 − 0,395495 = 0,604505 und B = 1,3558 × 10¹³. Diesen Rechenschritt nimmt dir das Werkzeug nicht ab.
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Noch eine Umstellung und die Temperatur fällt heraus. Forme B = 2hc²/(λ⁵(eˣ − 1)) um zu eˣ = 1 + 2hc²/(λ⁵B). Das ergibt 73,158, womit x = ln 73,158 = 4,2926 ist. Der Exponent war die ganze Zeit über 21923,2/T, folglich ist T = 21923,2/4,2926 = 5107 K. Stellst du den Regler für die Gastemperatur auf diesen Wert, liest sich die Zeile Kontrast, relativ zum Kontinuum als −25,0 %.
Antwort
Die 4500-K-Schicht drückt den H-Alpha-Kern 41,9 % unter das Kontinuum, auf 1,30 × 10¹³ gegenüber einem Kontinuum von 2,24 × 10¹³. Wenn du den zweiten Stern rückwärts berechnest, verlangt sein 25,0 % tiefer Kern nach einem Gas mit 5107 K. Das ist nur 665 K kälter als die Oberfläche dahinter. Die Umstellung verrät dir zudem, wann du ihr nicht mehr trauen darfst. Lässt du das Gas in Richtung des absoluten Nullpunkts fallen, strebt auch B gegen null. Der tiefste Kern, den eine optische Tiefe von 1 erzeugen kann, liegt folglich bei 1 − e⁻¹, also 63,2 % des Kontinuums. Misst du eine 70 % tiefe Linie, passt keine Gastemperatur mehr dazu. Die Wolke muss in diesem Fall zwingend dicker sein.
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Quellen (1)
- Who drew the Sun's dark lines, and who explained them: J. Fraunhofer, "Bestimmung des Brechungs- und des Farbenzerstreuungs-Vermögens verschiedener Glasarten." Denkschriften der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu München 5, 1814–15, pp. 193–226. G. Kirchhoff, "Über den Zusammenhang zwischen Emission und Absorption von Licht und Wärme." Monatsberichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1859, pp. 783–787.