Lektion
Die Theorie — Der Satz von Hess & Reaktionsenthalpie
Die Reaktionsenthalpie, ΔH, ist die Wärme, die eine Reaktion bei konstantem Druck mit ihrer Umgebung austauscht. Sie ist negativ, wenn sie Wärme abgibt, und positiv, wenn sie Wärme aufnimmt. Der Satz von Hess besagt, dass ΔH nur vom Anfangs- und Endzustand der Reaktion abhängt. Reaktionen lassen sich also wie Gleichungen addieren. Kehrst du eine um, wechselt das Vorzeichen von ΔH. Multiplizierst du eine, wird ihr ΔH ebenfalls multipliziert. Die gebräuchliche Form nutzt Standardbildungsenthalpien, ΔfH°. Das ist das ΔH für die Bildung von einem Mol eines Stoffes aus seinen Elementen im Standardzustand. Dadurch wird das ΔfH° eines Elements zu null: ΔH° = Σ ν ΔfH°(products) − Σ ν ΔfH°(reactants).
Was die einzelnen Symbole bedeuten
ΔH- die Reaktionsenthalpie der geschriebenen Reaktion, in kJ pro Mol Formelumsatz. Verdoppelst du die Gleichung, verdoppelt sie sich
ΔfH°- Standardbildungsenthalpie, in kJ/mol: das ΔH für die Bildung von einem Mol des Stoffes aus seinen Elementen bei 25 °C und 1 bar
ν- der stöchiometrische Koeffizient jedes Stoffes in der ausgeglichenen Reaktionsgleichung
- Setzt voraus
- Alles findet bei 25 °C und 1 bar statt. Die Bildungsenthalpien sind auf 0,1 kJ/mol gerundet. Das ist genauer, als manche von ihnen bekannt sind: Benzol hat ±0,9 und Cyclohexen ±1,0. Die 150,4 stimmen also auf etwa zwei Kilojoule genau und nicht bis auf die letzte Ziffer. Der Aggregatzustand gehört zum Stoff. H₂O(l) und H₂O(g) sind auf dieser Seite verschiedene Stoffe, die 44,0 kJ/mol auseinanderliegen. Die drei C₆-Ringe werden alle als Gase betrachtet. So verbirgt sich im Benzol-Vergleich keine Verdampfungsenthalpie.
- Versagt, wenn
- Genau genommen abweichend von 25 °C. ΔH selbst verschiebt sich mit der Temperatur um die Differenz zwischen den Wärmekapazitäten der Produkte und Edukte (Kirchhoffsches Gesetz). Ein Wert für 298 K trägt also bei einem Ofen mit 1.000 °C einen Fehler in sich, den diese Seite nicht zeigt. Das Gesetz selbst bricht nicht zusammen: Eine Zustandsfunktion ist bei jeder Temperatur wegunabhängig. Es ändert sich lediglich die Zahl.
Aufgabe vollständig gelöst
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Die Bildungsenthalpie von Benzol, aus einer Verbrennung 4 Schritte
Die Verbrennung von einem Mol gasförmigem Benzol zu CO₂ und flüssigem Wasser setzt 3.301,3 kJ frei. Berechne das ΔfH° von Benzol mit ΔfH° von CO₂(g) = −393,5 und H₂O(l) = −285,8 kJ/mol. Erkläre dann, wie das Vorzeichen zu den 150,4 kJ/mol passt, die diese Seite ermittelt.
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Schreibe die Verbrennung in Bildungsenthalpien auf. O₂ ist ein Element und trägt nichts bei, also tauchen nur die beiden Produkte und das Benzol auf.
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Die Produkte: sechs Mol CO₂ und drei Mol Wasser, zusammen −3.218,4 kJ.
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Stelle nach Benzol um. Die Verbrennung setzte 3.301,3 kJ frei, wovon die Produkte nur 3.218,4 ausmachen. Benzol startete also 82,9 kJ über seinen Elementen.
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Zum Vergleich: Ein Benzol, das wirklich drei gewöhnliche Doppelbindungen hätte, läge drei Cyclohexen-Hydrierungen über Cyclohexan.
Antwort
ΔfH°(C₆H₆, g) = +82,9 kJ/mol. Es ist positiv: Benzol enthält mehr Enthalpie als der Graphit und Wasserstoff, aus denen es besteht. Seine Bildung daraus würde Wärme aufnehmen. Das widerspricht nicht den 150,4. Stabilität wird immer im Vergleich zu etwas anderem gemessen. Benzol ist instabil im Vergleich zu seinen Elementen und ungewöhnlich stabil im Vergleich zu dem Ring aus drei Doppelbindungen, als der es gezeichnet wird. Dieser läge in derselben Tabelle bei +233,3.
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Lernpfad
Warum eine Reaktion abläuft
Quellen (3)
- The measurements behind insight block 2: the heats of hydrogenation of cyclohexene, the cyclohexadienes and benzene, taken in the gas phase at Harvard: G. B. Kistiakowsky, J. R. Ruhoff, H. A. Smith and W. E. Vaughan, "Heats of Organic Reactions. IV. Hydrogenation of Some Dienes and of Benzene." Journal of the American Chemical Society 58(1), 1936, pp. 146-153. DOI 10.1021/ja01292a043
- Benzene's gas-phase enthalpy of formation, +82.9 ± 0.9 kJ/mol, is this review's evaluated value: M. V. Roux, M. Temprado, J. S. Chickos and Y. Nagano, "Critically Evaluated Thermochemical Properties of Polycyclic Aromatic Hydrocarbons." Journal of Physical and Chemical Reference Data 37(4), 2008, pp. 1855-1996. DOI 10.1063/1.2955570
- Where the three C6 rings' gas-phase formation enthalpies were read: benzene +82.9, cyclohexene -4.32 (Steele, Chirico et al. 1996) and cyclohexane -123.1 (Prosen, Johnson et al. 1946), each with the measurement it comes from. Rounded to 0.1 kJ/mol on this page: P. J. Linstrom and W. G. Mallard (eds.), NIST Chemistry WebBook, NIST Standard Reference Database Number 69. National Institute of Standards and Technology, Gaithersburg MD. Benzene, gas-phase thermochemistry.