Kreiswinkelsätze

Fixiere eine Sehne, verschiebe Punkte auf dem Kreis und beobachte, wie eine verborgene Wahl — welcher Bogen erfasst wird — vier klassische Kreiswinkelsätze erzeugt.

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Der Mittelpunkt sieht doppelt so viel wie der Umfang 🖖

Verbinde O mit A, B und P. Je zwei Radien bilden ein gleichschenkliges Dreieck mit gleichen Basiswinkeln. Verfolgt man diese Winkel um P, bleibt bei O genau das Doppelte von ∠APB. Entscheidend ist der grüne Bogen: Der Mittelpunktswinkel muss auf demselben Bogen stehen und kann deshalb überstumpf sein.

Die Invariante überlebt Bewegung, aber keinen Endpunktwechsel 🖖

Halte A und B fest und schiebe P auf einem Bogen. Das Dreieck ändert sich, ∠APB aber nicht, weil immer derselbe Gegenbogen erfasst wird. Beim Überqueren von A oder B wechselt der erfasste Bogen zum Rest des Kreises. Der neue Winkel ist supplementär zum alten — ein Bedeutungswechsel an einer Grenze, kein Rechenfehler.

Thales ist der Spezialfall in einer Zeile 🖖

Mache AB zum Durchmesser. Der passende Mittelpunktswinkel ist dann eine gestreckte 180°-Drehung, und der Winkel bei P ist seine Hälfte: 90°. Umgekehrt liegen die drei Ecken jedes rechtwinkligen Dreiecks auf dem Kreis über seiner Hypotenuse. Deren Mittelpunkt ist von allen drei Ecken gleich weit entfernt.

Ein Sehnenviereck besteht aus zwei Kreisbögen, die sich zu einem Vollkreis ergänzen 🖖

Setze P und Q auf verschiedene Seiten von AB. ∠APB sieht den einen A-B-Bogen, ∠AQB den anderen. Die Bögen ergeben 360°, ihre halben Winkel also 180°. Das ist der ganze Satz vom Sehnenviereck. Auch die Umkehrung gilt: Ergänzen sich gegenüberliegende Winkel zu 180°, liegen alle vier Ecken auf einem Kreis.

Aufgaben vollständig gelöst

  1. Beweis, dass der Mittelpunktswinkel doppelt so groß ist – mit einer Linie, die das Werkzeug nie zeichnet 6 Schritte

    A und B liegen auf dem Kreis bei 330° und 110°, P liegt bei 220°. Die Anzeige gibt für den Winkel bei P 70° und für den Mittelpunktswinkel 140° an. Beweise den Faktor zwei, statt ihn nur abzulesen, und finde anschließend heraus, welche stillschweigende Annahme der Beweis über die Lage von P macht.

    O A B P D α β
    1. Messen Sie zuerst den Bogen. Gegen den Uhrzeigersinn von A bei 330° rund zu B bei 110° überstreicht man 140°, und das ist genau der Bogen, auf dem P nicht liegt. Der darauf stehende Mittelpunktswinkel beträgt per Definition 140°, weil ein Mittelpunktswinkel schlicht seinem Bogen entspricht.

    2. Nun die Konstruktion, und sie ist schon der ganze Beweis: Ziehen Sie die Linie von P durch den Mittelpunkt O und lassen Sie sie den Kreis bei D verlassen. Mehr wird nicht hinzugefügt.

    3. OA und OP sind beide Radien, daher ist das Dreieck OAP gleichschenklig und die Winkel bei A und bei P sind gleich. Nennen wir diesen Winkel α, sodass ∠OPA = ∠OAP = α.

    4. Der Winkel ∠AOD ist ein Außenwinkel des Dreiecks OAP bei O, und ein Außenwinkel ist gleich der Summe der beiden nicht anliegenden Innenwinkel: ∠AOD = α + α = 2α.

    5. Dieselbe Überlegung auf der anderen Seite ergibt ∠DOB = 2β mit β = ∠OPB. Addiere beide Winkel. Das ist möglich, solange die Verlängerung von OP den Kreis auf dem Bogen AB schneidet: ∠AOB = 2α + 2β = 2(α + β), und α + β ist genau ∠APB.

    6. Der Mittelpunktswinkel ist also doppelt so groß wie der zugehörige Umfangswinkel; hier gilt 2 × 70° = 140°. Sieh dir noch einmal an, worauf der Beweis beruht: zwei Radien, auf jeder Seite ein gleichschenkliges Dreieck und ein Außenwinkel. Weder Längen noch Koordinaten oder die Größe des Kreisbogens werden benötigt.

    Antwort

    140° = 2 × 70°, und das Anzeigefeld zeigt 70,0000°, ganz gleich, wohin du P setzt. Zieh P von 150° bis 290°. Dabei verändern die beiden gleichschenkligen Dreiecke ihre Form in entgegengesetzter Richtung; ihre Basiswinkel gleichen den Unterschied exakt aus. So zeigt sich eine Invariante innerhalb der Konstruktion. Jenseits von 290° verändert sich die Zeichnung, und für den Beweis brauchst du den zweiten Fall: Die Verlängerung von OP schneidet den Kreis nun hinter B statt auf dem Bogen AB. Die Basiswinkel betragen 75° und 5°, und die beiden Mittelpunktswinkel werden voneinander subtrahiert statt addiert. Der Winkel bei P bleibt unverändert. Der Satz des Thales folgt unmittelbar daraus: Ist AB ein Durchmesser, so beträgt der gestreckte Mittelpunktswinkel 180°. Jeder zugehörige Umfangswinkel misst daher 90°, und ein Dreieck über einem Halbkreis ist rechtwinklig, wo auch immer du seine Spitze setzt. Der Satz des Thales ist lediglich dieser Satz für einen Bogen, der einen Halbkreis bildet. Die Hilfslinie in der Skizze macht sichtbar, was das Anzeigefeld nicht zeigen kann: Dort siehst du die Winkel, hier den Grund für ihre Beziehung.

  2. Der optimale Standpunkt für den größten Winkel 7 Schritte

    Von beiden markierten Punkten erscheint die Sehne AB unter einem Winkel von 60°. Finde heraus, wie groß der Winkel für einen Punkt abseits der Kreislinie wäre. Bestimme dann, wo sich ein Schütze aufstellen sollte, um die Malstangen unter dem größtmöglichen Winkel zu sehen.

    1. A und B liegen bei 320° und 80°. Der Bogen dazwischen, auf dem P nicht liegt, misst also 120°. Die Hälfte davon sind 60°. Für Q ergibt sich derselbe Wert, da dieser Punkt über demselben Bogen liegt wie P.

    2. Nun zur Sehne selbst. Der Mittelpunktswinkel über diesem Bogen ist doppelt so groß wie der Umfangswinkel. Da die Länge einer Sehne 2R mal den Sinus des halben Mittelpunktswinkels beträgt, gilt in diesem Kreis mit Radius 1 also AB = 2 sin 60° = √3.

    3. Lies diese Formel einmal rückwärts. Halte die Sehne fest und variiere den Kreis. Der Sinus des Umfangswinkels ist AB ÷ 2R, ein kleinerer Kreis durch A und B liefert also einen größeren Winkel. Der kleinstmögliche Kreis hat AB als Durchmesser und führt zu exakt 90°. Alles hängt davon ab, auf welchem Kreis du dich befindest.

    4. Abseits des Kreises beträgt der Winkel nicht mehr 60°. Im Inneren schneiden die beiden Linien noch einen zweiten Bogen aus, der Winkel ist dann die halbe Summe der beiden. Etwas nach innen versetzt misst er etwa 71,6°. Von außen ist es die halbe Differenz, rund 51,4°. Der Kreis ist die genaue Grenze zwischen einem größeren und einem kleineren Winkel.

    5. Damit lässt sich der Tritt berechnen. Rugby-Malstangen haben einen Abstand von 5,6 m. Ein Versuch wird 10 m neben der näheren Stange erzielt. Vom Fußpunkt der Anlauflinie sind die Stangen also 10 m und 15,6 m entfernt. Jeder Punkt, von dem aus man sie unter demselben Winkel sieht, liegt auf einem Kreis durch beide Stangen.

    6. Jeder Punkt der Anlauflinie liegt auf genau einem solchen Kreis. Der Winkel wird auf dem kleinsten Kreis am größten, der die Linie überhaupt erreicht und sie folglich berührt. Die Strecke zum Berührpunkt ist ein Tangentenabschnitt vom Fußpunkt aus. Eine Tangentenlänge ist das geometrische Mittel der beiden Sekantenabschnitte: x² = 10 × 15,6 = 156.

    7. Also ist x = √156 = 12,49 m, wo der Winkel 12,64° misst. An der 10-Meter-Marke liegt er bei 12,34°, bei 20 m ist er auf 11,39° gefallen und bei 30 m auf 9,04°.

    Antwort

    Geh 12,49 m zurück, also um das geometrische Mittel der beiden Distanzen anstatt ihres Durchschnitts von 12,8. Gehst du noch weiter nach hinten, verlierst du genauso sicher an Winkel, wie wenn du zu nah bleibst. Das Maximum ist ein echtes inneres Maximum und kein Randwert. Die nicht verwendeten 12,8 m sind ebenfalls nicht vergeudet: Sie entsprechen dem Radius des Kreises, auf dem du schließlich stehst. Das alles ist der Umfangswinkelsatz umgekehrt betrachtet. Du fragst nicht mehr, unter welchem Winkel ein Punkt auf diesem Kreis die Sehne sieht, sondern welcher Kreis durch A und B genau durch deinen Standpunkt verläuft.

Lernpfad

Die Dreiecksregeln und woher sie kommen

Führt zu Der Einheitskreis den Mittelpunktswinkel als Doppeltes des Umfangswinkels, gleiche Winkel im selben Segment und den rechten Winkel nach Thales.

Quellen (2)
  • the central-angle, same-segment, cyclic-quadrilateral and semicircle theorems Euclid. Elements, Book III, Propositions 20, 21, 22 and 31.
  • a modern synthetic-geometry treatment of circle theorems Coxeter, H. S. M. and Greitzer, S. L. (1967). Geometry Revisited. Mathematical Association of America.

Beispielaufgaben