Lektion
Die Theorie — Überhöhte Kurven
Eine überhöhte Kurve ist eine Kurve, deren Fahrbahn um den Winkel θ zum Mittelpunkt hin geneigt ist. Die stets senkrecht zur Oberfläche wirkende Normalkraft zeigt dadurch nach innen und liefert einen Teil oder die gesamte für die Kurvenfahrt nötige Kraft. Bei der Entwurfsgeschwindigkeit v₀ = √(r g tan θ) übernimmt sie die Kurvenführung vollständig; Reibung ist nicht nötig. Reibung bis zum μ-Fachen der Normalkraft erweitert diese einzelne Geschwindigkeit zu einem Bereich: r g tan(θ − φ) ≤ v² ≤ r g tan(θ + φ). Dabei ist φ = arctan μ der Reibungswinkel. Die Masse kommt in keiner dieser Beziehungen vor.
Was die einzelnen Symbole bedeuten
r- Kurvenradius, waagerecht vom Mittelpunkt bis zum Fahrzeug gemessen
θ- Neigungswinkel gegen die Waagerechte; im Straßenbau wird tan θ als prozentuale Querneigung angegeben
μ- größtmögliche Reibungskraft der Reifen als Anteil der Normalkraft
φ- Reibungswinkel arctan μ: die steilste Neigung, auf der ein Fahrzeug stehen kann
v_0- Entwurfsgeschwindigkeit, bei der die Querneigung die gesamte Kurvenführung übernimmt und die Reibung null ist
- Setzt voraus
- Das Fahrzeug wird als Punktmasse betrachtet. Es bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit auf einem waagerechten Kreis durch eine Kurve mit konstantem Radius und konstanter Querneigung. Verwendet wird die Normfallbeschleunigung 9,80665 m/s². Für jede Richtung gilt derselbe Reibwert; die veröffentlichten Werte stammen aus Bremsmessungen bei 17 % Schlupf, und für die Seitenführung eines rollenden Reifens wird dieselbe Größenordnung angenommen. Luftkräfte bleiben unberücksichtigt: kein Abtrieb, kein Luftwiderstand, kein Seitenwind.
- Versagt, wenn
- Ein Fahrzeug mit hohem Schwerpunkt kann umkippen, bevor es rutscht. In einer überhöhten Kurve hängt diese Grenze neben der Neigung auch von der Spurweite ab; ein Lkw erreicht sie zuerst. Bei der Straßenplanung werden wesentlich kleinere Seitenreibungswerte als die gemessene Haftung angesetzt. Das erhöht den Fahrkomfort und schafft Reserven für abgefahrene Reifen. Die Flügel eines Rennwagens erzeugen Abtrieb, der mit dem Quadrat der Geschwindigkeit wächst und die Obergrenze anhebt. Eine echte Kurve beginnt außerdem mit einem Übergangsbogen, dessen Radius allmählich kleiner wird, statt unvermittelt einen festen Wert anzunehmen.
Aufgabe vollständig gelöst
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Was bewirkt eine Kurvenneigung bei einem Flugzeug? 6 Schritte
Ein Leichtflugzeug fliegt mit 100 Knoten beziehungsweise 51,44 m/s eine waagerechte Kurve mit 60° Querneigung. Bestimme den Kurvenradius, die Dauer eines Vollkreises, die Kraft des Sitzes auf den Piloten, die größte mit der Strukturgrenze von 3,8 g mögliche Querneigung und die Auswirkung auf die Überziehgeschwindigkeit von 50 Knoten. Wähle Trockene Kurve, 90 km/h, um den ersten Schritt zu prüfen.
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Bei einem Flugzeug in einer waagerechten Kurve übernimmt der Auftrieb der Tragflächen die Rolle der Normalkraft; Reibung gibt es nicht. Es fliegt daher stets mit seiner Entwurfsgeschwindigkeit, tan θ = v²/(rg). Für die auf der Seite gezeigte Fahrbahn mit 200 m Radius und 8 % Querneigung gilt bei 45,09 km/h dieselbe Gleichung:
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Nach dem Radius bei 60° aufgelöst:
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Ein Umlauf auf diesem Kreis mit 51,44 m/s dauert
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Die senkrechte Komponente des Auftriebs muss allein die Gewichtskraft tragen, daher beträgt der Auftrieb mg/cos θ. Das entspricht der Normalkraft bei Entwurfsgeschwindigkeit und ist unabhängig von der Geschwindigkeit:
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Die Strukturgrenze von 3,8 g wird bei dem Neigungswinkel erreicht, dessen Kosinus 1/3,8 beträgt. In der Tabellenzeile für 75° steht bereits 3,864, also ein zu hoher Wert:
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Eine Tragfläche überzieht bei einem festen Anstellwinkel. Die Geschwindigkeit, bei der sie den nötigen Auftrieb gerade noch erzeugt, wächst deshalb mit der Quadratwurzel des Lastvielfachen:
Antwort
Der Kreis hat einen Radius von 155,8 m und wird in 19,03 s durchflogen. Unabhängig von der Fluggeschwindigkeit drückt der Sitz mit dem Doppelten der Gewichtskraft auf den Piloten. Das Airplane Flying Handbook der FAA nennt ebenfalls 2,0 bei 60° und 1,41 bei 45°. Es weist außerdem darauf hin, dass eine waagerechte Kurve bei 75° die Auslegungsgrenze von 3,8 für ein Leichtflugzeug der Standardkategorie überschreitet; der genaue Grenzwinkel beträgt 74,74°. Die Überziehgeschwindigkeit steigt von 50 auf 70,71 Knoten, im Handbuch gerundet auf 70.
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Quellen (3)
- Measured tyre-road friction by surface, from Swedish skiddometer surveys: dry bare road 0.8 to 1.0, wet 0.7 to 0.8, packed snow 0.20 to 0.30, wet black ice 0.05 to 0.10, the values behind the page's grip hint and its presets: C.-G. Wallman and H. Åström, "Friction measurement methods and the correlation between road friction and traffic safety. A literature review." VTI meddelande 911A, Swedish National Road and Transport Research Institute, Linköping, 2001, p. 36.
- Why roads that see ice are banked gently: the steepest bank allowed is 10%, and where snow and ice accumulate it is limited to 6%, because slow or stopped vehicles on steeper banks slide inward: Washington State Department of Transportation, Design Manual M 22-01.23, Chapter 1250 "Cross Slope and Superelevation", section 1250.03, September 2024.
- A banked aircraft's load factor depends on the bank alone, 1.41 at 45° and 2.0 at 60° for any airspeed or aeroplane, a standard-category light aircraft is built for 3.8, and the stall speed rises as the square root of the load: Federal Aviation Administration, Airplane Flying Handbook (FAA-H-8083-3C), Chapter 10 "Performance Maneuvers", section on steep turns.