Lektion
Die Theorie — Navier-Stokes: Strömung um einen Zylinder
Die Navier-Stokes-Gleichungen sind das zweite Newtonsche Gesetz für ein Fluid: Jedes kleine Volumenelement beschleunigt durch den Druck, der darauf lastet, und die zähe Reibung seiner Nachbarn. Für ein Fluid, das nicht komprimiert werden kann, lauten sie ∂u/∂t + (u·∇)u = −∇p/ρ + ν∇²u und ∇·u = 0, wobei u die Geschwindigkeit ist, p der Druck, ρ die Dichte und ν die kinematische Viskosität.
Was die einzelnen Symbole bedeuten
Re- die Reynolds-Zahl UD/ν, aus der Strömungsgeschwindigkeit U, dem Zylinderdurchmesser D und der kinematischen Viskosität ν. Schritt 1 zeigt, dass sie die einzige verbleibende Konstante in den Gleichungen ist
St- die Strouhal-Zahl fD/U, die Ablösefrequenz f in Einheiten von U/D
C_D- der Widerstandsbeiwert: der Widerstand pro Längeneinheit des Zylinders geteilt durch ½ρU²D
A- die Amplitude der Schwingung: die halbe Spitze-Tal-Quergeschwindigkeit drei Durchmesser hinter dem Zylinder, als Bruchteil von U
ω- die Vortizität ∂v/∂x − ∂u/∂y, die doppelte Rotationsgeschwindigkeit eines Fluidteilchens. Sie bestimmt die Farbe im Bild
Woher die Formel kommt
- Warum ein einziger Schieberegler ausreicht. Miss Längen in Durchmessern, Geschwindigkeiten in Einheiten von U und die Zeit in Einheiten von D/U: Setze
u = U u′,x = D x′,t = (D/U) t′undp = ρU² p′. Jeder Term auf der linken Seite der Impulsgleichung trägt dann einen Faktor U²/D, und der Druckterm ebenfalls; der Viskositätsterm trägt νU/D². Teilt man die ganze Gleichung durch U²/D, sieht sie genauso aus wie vorher, ausgedrückt in den gestrichenen Größen, nur dass aus νν/(UD) = 1/Regeworden ist. Zwei Strömungen mit demselben Re sind dieselbe Strömung in unterschiedlicher Größe und Geschwindigkeit. Deshalb braucht die Seite nur einen Regler und nicht vier. - Wie die Seite Einpendeln von Abklingen unterscheidet. Nennen wir die Schwingungsamplitude A. Solange sie klein ist, wächst oder schrumpft sie exponentiell,
dA/dt = σA. Dabei ist σ oberhalb des Schwellenwerts positiv und unterhalb negativ, und nahe dem Schwellenwert ist σ proportional zu Re − Rec. Das Wachstum kann nicht endlos weitergehen. Der erste Term, der es aufhalten kann – für eine Schwingung, die vertikal gespiegelt gleich aussieht – ist kubisch:dA/dt = σA − ℓA³, die Landau-Gleichung. Teilt man sie durch A, erhält man eine Gerade in A²,d ln A/dt = σ − ℓA². Die Seite passt diese Gerade an die Zyklen jedes Durchlaufs an und liest σ ab. So erkennt sie bei Re 48, dass sich eine schrumpfende Schwingung einpendelt und nicht abklingt. Setzt man dA/dt = 0, erhält man die Schwingung, bei der sich der Nachlauf einpendelt,A∞² = σ/ℓ: eine Gerade aufgetragen über Re, die bei Rec null erreicht. Das ist die Linie im zweiten Diagramm. - Null Widerstand ohne Viskosität. Ohne Viskosität lautet die Strömung um einen Zylinder mit Radius R
ψ = U(r − R²/r) sin θ, und direkt auf der Oberfläche ist ihre Geschwindigkeit2U sin θ: null vorne und hinten, doppelt so schnell wie die freie Anströmung an den Seiten. Die Bernoulli-Gleichung,p + ½ρv²konstant entlang der Strömung, wandelt das in einen Druck um,Cp = (p − p∞)/(½ρU²) = 1 − 4 sin²θ. Der Widerstand ist dieser Druck, der auf die Oberfläche drückt, einmal komplett rundherum aufsummiert:CD = ∫₀^π Cp cos θ dθ = ∫₀^π cos θ dθ − 4∫₀^π sin²θ cos θ dθ = 0 − [4 sin³θ/3]₀^π = 0. Die vordere und die hintere Hälfte heben sich exakt auf. Die Seite integriert den eigenen Druck des Lösers auf dieselbe Weise und gibt ihn als Druckanteil des Widerstands aus. - Die Frequenz. Skaliert wie in Schritt 1, wird die Ablösefrequenz f zu
St = fD/U, und wie alles andere in den skalierten Gleichungen kann sie nur von Re abhängen und von nichts sonst. Sobald St für eine Reynolds-Zahl bekannt ist, giltf = St·U/Dfür jedes Fluid, jede Geschwindigkeit und jeden Durchmesser, die dieses Re teilen. Roshko passteSt = 0,212(1 − 21,2/Re)an seine Windkanalmessungen zwischen Re 50 und 150 an; die St dieses Lösers liegt bei Re 55 um 4 % darüber und nähert sich bei Re 100 auf 1 % an.
- Setzt voraus
- Zwei Dimensionen: ein unendlich langer Zylinder, an dem sich in Längsrichtung nichts verändert. Ein inkompressibles Fluid, was der Löser annähert, indem er mit etwa einem Sechstel seiner eigenen Schallgeschwindigkeit rechnet. Ein zwanzig Durchmesser breiter Kanal, dessen Oberseite mit seiner Unterseite verbunden ist. Der Zylinder hat also in zwanzig Durchmessern Entfernung Nachbarn, was den Widerstand und die Frequenz um ein paar Prozent erhöht.
- Versagt, wenn
- Oberhalb von Re 188,5 bilden sich im echten Nachlauf Wellen entlang des Zylinders (Barkley und Henderson, 1996), und die 2D-Lösung beschreibt ihn nicht mehr. Nahe dem Schwellenwert wird alles langsamer: Bei Re 47 klingt die Schwingung nach 300 D/U immer noch ab und bräuchte über 2.000 D/U mehr, um ganz zu verschwinden. Deshalb liest die Seite den Trend mit der Landau-Gleichung ab, anstatt zu warten.
Aufgabe vollständig gelöst
Quellen (5)
- Wind-tunnel shedding frequencies behind circular cylinders from Re 40 to 10,000, and the two fits this page plots and the worked problem uses: S = 0.212(1 − 21.2/R) for 50 < R < 150 and S = 0.212(1 − 12.7/R) for 300 < R < 2,000: A. Roshko, "On the Development of Turbulent Wakes from Vortex Streets", NACA Report 1191, National Advisory Committee for Aeronautics, 1954.
- Where a two-dimensional solver stops describing a real wake: the periodic 2D wake becomes unstable to three-dimensional disturbances at Re = 188.5 ± 1.0, which is where this page's slider stops: D. Barkley and R. D. Henderson, "Three-dimensional Floquet stability analysis of the wake of a circular cylinder", Journal of Fluid Mechanics 322, 215–241 (1996).
- The history of the instability: Bénard's experiments, the threshold Re_c = 47 that Camichel's group in Toulouse measured with circular cylinders, and Mathis, Provansal and Boyer's 1984 measurement that the oscillation's amplitude grows as (Re − Re_c)^½, the Landau law this page fits: J. E. Wesfreid, "Henri Bénard: Thermal convection and vortex shedding", Comptes Rendus Mécanique 345, 446–466 (2017).
- The method this page solves the equations with: a lattice-Boltzmann fluid with a curved wall placed on the true circle by interpolating along each lattice link, and the drag from the momentum each link exchanges with the wall: M. Bouzidi, M. Firdaouss and P. Lallemand, "Momentum transfer of a Boltzmann-lattice fluid with boundaries", Physics of Fluids 13, 3452–3459 (2001).
- Steady flow past a cylinder computed up to Re 100, with the drag, the surface pressure and the separation bubble, which first appears just below Re 7: S. C. R. Dennis and G.-Z. Chang, "Numerical solutions for steady flow past a circular cylinder at Reynolds numbers up to 100", Journal of Fluid Mechanics 42, 471–489 (1970).