Lektion
Die Theorie — Kernbindungsenergie und Massendefekt
Ein Atomkern wiegt weniger als die Protonen und Neutronen, aus denen er besteht. Die Differenz heißt Massendefekt. Mit c² multipliziert ergibt sie die Bindungsenergie B, also die Energie, die nötig wäre, um den Kern vollständig zu zerlegen. Teilt man B durch die Nukleonenzahl A, erhält man B/A und damit die mittlere Bindung jedes Nukleons. Die Kurve von B/A über A zeigt, welche Reaktionen Energie freisetzen: Sind dieselben Protonen und Neutronen nach der Reaktion stärker gebunden, wird der Gewinn an Bindungsenergie frei. Das gilt sowohl beim Verbinden leichter Kerne durch Fusion als auch beim Spalten eines schweren Kerns. Die frei werdende Energie einer Reaktion ist ihr Q-Wert: die Differenz aus Eingangs- und Ausgangsmasse, multipliziert mit c².
Was die einzelnen Symbole bedeuten
Z- die Zahl der Protonen; sie legt das Element fest
N- die Zahl der Neutronen, A − Z
Δm- der Massendefekt: die getrennte Masse von Z Wasserstoffatomen und N Neutronen abzüglich der Atommasse. Angegeben in u, wobei 1 u einer Energie von 931,494 MeV entspricht
B- die Bindungsenergie Δm c². Die Kurve zeigt B/A
Q- die bei einer Reaktion frei werdende Energie, also die verlorene Masse mal c². Ein positiver Wert bedeutet, dass Energie frei wird. Er sagt weder, wie schnell die Reaktion abläuft, noch, ob sie überhaupt stattfindet
- Setzt voraus
- Verwendet werden die in der Auswertung tabellierten Atommassen. Dadurch sind die Elektronen auf beiden Seiten mitgezählt und heben sich auf. Ihre eigene Bindungsenergie wird nicht gesondert abgezogen; so definiert auch die Auswertung B. Selbst bei Uran beträgt sie weniger als ein MeV und damit nur wenige Zehntausendstel der Energie des Kerns. Für die Masse pro Nukleon werden Z Elektronenmassen abgezogen, damit nur der Kern übrig bleibt. Die nicht abgezogene Bindungsenergie der Elektronen würde den Wert bei Eisen und Nickel um weniger als 0,000001 u verschieben, viel weniger als den Abstand zwischen beiden. Q umfasst die gesamte frei werdende Energie einschließlich des Anteils, den Neutrinos davontragen. In der Sonne sind das etwa 2 %, die nie als Wärme ankommen. Berücksichtigt werden nur Grundzustände; die Kerne gelten als ruhend und nicht angeregt.
- Versagt, wenn
- Die Rechnung selbst kann nicht versagen, denn sie besteht nur aus der Subtraktion gemessener Massen. Sie verrät dir allerdings nicht, wie schnell eine Reaktion abläuft. Ein positives Q bedeutet, dass eine Reaktion Energie freisetzen kann, nicht dass sie tatsächlich stattfindet. Uran-238 hat für die Spaltung in zwei Teile ein positives Q und zerfällt dennoch fast nie auf diese Weise. Deuterium und Tritium müssen auf rund hundert Millionen Kelvin erhitzt werden, bevor sie mit brauchbarer Rate fusionieren. Außerdem zeigt die Spaltungszeile nur ein einziges Fragmentpaar. In einem echten Reaktor entsteht eine ganze Verteilung von Spaltprodukten mit jeweils eigenem Q.
Aufgabe vollständig gelöst
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Wie viel Wasserstoff verbrennt die Sonne pro Sekunde? 5 Schritte
Die Sonne strahlt 3,828×10²⁶ W ab. Das ist die von der Internationalen Astronomischen Union 2015 festgelegte nominelle Sonnenleuchtkraft. Wie viel Masse verliert die Sonne pro Sekunde, und wie viel Wasserstoff wandelt sie dabei in Helium um? Klick für die ersten beiden Schritte auf Helium-4, Sonne.
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Vier Wasserstoffatome wiegen 4 × 1,007825 u, ein Helium-4-Atom wiegt 4,002603 u. Die Differenz ergibt nach der Multiplikation mit c² die Energie einer vollständig abgelaufenen Reaktionskette:
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Als Anteil der Eingangsmasse, den die Seite ebenfalls angibt:
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Mit dem Licht verlässt Masse die Sonne. Teile die Leistung durch c²:
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Jedes Kilogramm Wasserstoff gibt 0,7119 % seiner Masse als Energie ab. Die dafür zu verbrennende Wasserstoffmasse erhältst du, indem du den Massenverlust durch diesen Anteil teilst:
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Der verbleibende Teil wird zu Helium:
Antwort
Die Sonne verliert 4,259×10⁹ kg pro Sekunde, etwas mehr als vier Millionen Tonnen. Dafür wandelt sie 5,983×10¹¹ kg Wasserstoff, etwa 600 Millionen Tonnen, in 5,941×10¹¹ kg Helium um. In der Leuchtkraft fehlt die Energie der Neutrinos, die etwa 2 % der Energie jeder Reaktionskette davontragen. Tatsächlich wird daher etwa 2 % mehr Wasserstoff verbrannt.
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Quellen (3)
- Every mass on the page: the 2020 Atomic Mass Evaluation's table of mass excesses and binding energies per nucleon, which this page reproduces to under 1 eV for all 98 bound nuclei it carries: M. Wang, W. J. Huang, F. G. Kondev, G. Audi and S. Naimi, "The AME 2020 atomic mass evaluation (II). Tables, graphs and references." Chinese Physics C 45(3), 2021, 030003. DOI 10.1088/1674-1137/abddaf
- The paper that corrected the textbook belief that iron-56 is the most tightly bound nucleus: iron-58 and nickel-62 are both bound more strongly, and nickel-62 most of all. It suggests the belief came from studies of stellar nucleosynthesis: M. P. Fewell, "The atomic nuclide with the highest mean binding energy." American Journal of Physics 63(7), 1995, pp. 653-658. DOI 10.1119/1.17828
- The solar luminosity the worked problem starts from, 3.828×10²⁶ W, the nominal value the International Astronomical Union adopted in 2015, rounded from a best estimate of (3.8275 ± 0.0014)×10²⁶ W: A. Prša et al., "Nominal Values for Selected Solar and Planetary Quantities: IAU 2015 Resolution B3." The Astronomical Journal 152(2), 2016, 41. DOI 10.3847/0004-6256/152/2/41