Lektion
Die Theorie — Wärmeverlust durch eine Wand: U-Werte
Durch eine ebene Schicht fließt Wärme mit einer Rate, die proportional zur Temperaturdifferenz und umgekehrt proportional zum Wärmewiderstand ist. Es gilt R = d/λ: Dicke geteilt durch Wärmeleitfähigkeit des Materials, angegeben in m²K/W. Die ruhende Luft an jeder Oberfläche liefert einen eigenen Wärmeübergangswiderstand. Schichten, die die Wärme nacheinander durchquert, verhalten sich wie in Reihe geschaltete Widerstände: RT = Rsi + ΣR + Rse. Der U-Wert ist der Kehrwert davon, U = 1/RT. Er gibt an, wie viele Watt je Quadratmeter und je Grad Temperaturdifferenz verloren gehen. Ein Fenster neben einer Wand bildet einen zweiten, parallelen Weg. Die Wärmeströme Q = U·A·ΔT durch beide Wege werden addiert.
Was die einzelnen Symbole bedeuten
λ- Wärmeleitfähigkeit eines Materials, W/mK. Auf dieser Seite: Ziegel 0,77, Mineralwolle 0,033, Glas 1,0
R- Wärmewiderstand einer Schicht, also ihre Dicke geteilt durch λ, in m²K/W. Auch die Luftfilme bilden Widerstände: 0,13 innen, 0,04 außen
U- U-Wert, 1/RT, in W/m²K. Wärmeverlust je Quadratmeter und je Grad Temperaturdifferenz
ΔT- Innentemperatur minus Außentemperatur, in K; der Zahlenwert ist derselbe wie in °C
- Setzt voraus
- Es herrschen stationäre Bedingungen: Die Temperaturen sind lange genug konstant geblieben, sodass sich die Wand weder weiter erwärmt noch abkühlt. Bei 215 mm Ziegel dauert das viele Stunden. Die Wärme fließt geradlinig und eindimensional durch die Wand. Verluste an Ecken, am Fensterrahmen, durch Mörtelfugen oder Maueranker bleiben unberücksichtigt, und die Dämmung ist lückenlos. Für die Verglasung gilt der Wert in der Scheibenmitte; Rahmen und Randbereich eines echten Fensters verlieren meist mehr Wärme. Die Wärmeübergangswiderstände entsprechen den Standardwerten von BR 443 für horizontalen Wärmestrom. Sie setzen eine bestimmte Windstärke außen und Luftbewegung innen voraus. Sonneneinstrahlung und Luft, die durch Fugen strömt, werden nicht berücksichtigt.
- Versagt, wenn
- Feuchte Dämmstoffe und feuchte Ziegel leiten Wärme deutlich besser als trockene. Wird eine massive Wand innen gedämmt, kann ihr äußerer Bereich kälter und feuchter werden; Feuchtigkeit kommt in diesem Modell nicht vor. Luft, die durch Undichtigkeiten strömt, verursacht einen eigenen Wärmeverlust und verlangt eine andere Berechnung. Eine Wärmebrücke wie ein Betonsturz oder ein Stahlträger durch die Dämmung kann mehr Wärme ableiten als die umliegenden Quadratmeter. Deshalb müssen Regeln zur Berechnung von U-Werten, etwa BR 443, solche Einflüsse berücksichtigen. Der Wärmebedarf eines Raums umfasst außerdem weitere Bauteile: Lüftung, Boden und Dach verlieren nach derselben Rechnung Wärme, jeweils mit ihrem eigenen U-Wert.
Aufgabe vollständig gelöst
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Beschlägt das Fenster? 6 Schritte
In einem Raum herrschen 20 °C und 50% relative Luftfeuchtigkeit, draußen sind es −5 °C. Beschlägt ein einfach verglastes Fenster? Wie sieht es bei einer Low-E-Doppelverglasung aus? Klick auf Einfachverglasung, um die ersten beiden Schritte zu prüfen.
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Der Wärmewiderstand der Verglasung setzt sich aus den beiden Luftfilmen und dem Glas zusammen; ihr U-Wert ist der Kehrwert:
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Die Innenoberfläche des Glases ist um den Temperaturabfall im inneren Luftfilm kälter als der Raum:
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Mit der Magnus-Formel erhältst du den Sättigungsdampfdruck von Wasser bei 20 °C. Bei 50% relativer Luftfeuchtigkeit enthält die Raumluft die Hälfte davon:
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Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der dieser Wasserdampf die Luft sättigen würde:
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Das Glas liegt deutlich unter dem Taupunkt, daher kondensiert Wasser darauf. Klar bliebe es nur, solange die Luftfeuchtigkeit im Raum unter dem Verhältnis der Sättigungsdampfdrücke an der Glasoberfläche und im Raum liegt:
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Bei Low-E-Doppelverglasung erreicht die Innenoberfläche 16,75 °C; dasselbe Verhältnis beträgt:
Antwort
Das einfach verglaste Fenster beschlägt. Seine Innenoberfläche hat 1,32 °C und liegt damit 7,94 Grad unter dem Taupunkt der Raumluft von 9,26 °C. Klar bliebe die Scheibe nur bei weniger als 28,8% relativer Luftfeuchtigkeit. Low-E-Doppelglas mit 16,75 °C bleibt bis 81,6% klar. Beide Werte gelten für die Scheibenmitte. Am Rand einer Isolierglaseinheit, nahe Abstandhalter und Rahmen, ist es kälter; dort setzt Kondensation schon bei geringerer Luftfeuchtigkeit ein.
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Quellen (3)
- The UK convention for U-value calculations: the total resistance as Rsi + R1 + … + Rn + Rse, the surface resistances 0.13 and 0.04 m²K/W for a wall, and the default conductivities this page uses for brick (0.77 W/mK, an outer leaf) and standard plasterboard (0.21 W/mK): B. Anderson and L. Kosmina, Conventions for U-value calculations, BR 443, 2019 edition. BRE, 2019
- Glass in the U-value calculation: under EN 673 the resistivity of soda-lime-silicate glass is taken as 1.0 m·K/W, and a double unit of two 4 mm panes with one low-emissivity coating and a 16 mm argon-filled gap reaches a centre-pane U-value of 1.0 W/m²K; triple glazing reaches 0.5: Saint-Gobain Building Glass UK, Solar & Thermal Technical Guidance ST-1E: Thermal insulation. 2018
- The Magnus formula for the saturation vapour pressure of water used in the worked problem, e = 6.1094 exp(17.625 t / (243.04 + t)) hPa, fitted over −40 to 50 °C: O. A. Alduchov and R. E. Eskridge, Improved Magnus' form approximation of saturation vapor pressure. Report DOE/ER/61011-T6, National Climatic Data Center, NOAA, 1997. DOI 10.2172/548871. Also published in Journal of Applied Meteorology 35(4), 1996, pp. 601-609