Normalverteilung — interaktiv
Glockenkurve — interaktiv visualisiert
die 68–95–99,7-Regel 🖖
Diese Prozentwerte sind keine gerundeten Schätzungen — sie ergeben sich direkt aus dem Gauß-Integral, jeweils als Fläche unter e^(−z²/2) zwischen ±1, ±2 und ±3 Standardabweichungen, genau das, was die Fehlerfunktions-Schritte unten berechnen. Physiker verwenden diese Skala für 'Entdeckungs'-Schwellenwerte: Die Ankündigung des Higgs-Bosons 2012 verlangte 5σ-Evidenz, eine einseitige Falsch-positiv-Rate von etwa 1 zu 3,5 Millionen — genau deshalb, weil ein echtes Signal eine so hohe Hürde nehmen muss, bevor man ihm mehr vertraut als dem statistischen Rauschen. Die Regel erklärt auch, warum 'unwahrscheinliche' Ereignisse in großen Datensätzen gar nicht so selten sind — bei einer Million unabhängiger Messungen solltest du erwarten, dass ein paar rein zufällig jenseits von ±5σ landen, und genau vor dieser Falle soll die 5σ-Schwelle schützen.
Warum die Fläche zählt, nicht die Höhe 🖖
Die Glockenkurve zeigt die Wahrscheinlichkeitsdichte, nicht die Wahrscheinlichkeit selbst — die Höhe an einem einzelnen Punkt sagt also fast nichts aus. Entscheidend ist die Fläche: Der schattierte Streifen zwischen x₁ und x₂ ist die Chance, dass ein Wert in diesem Bereich landet, und die gesamte Kurve umschließt stets eine Fläche von genau 1. Verschieben von μ bewegt den Gipfel nach links oder rechts; ein größeres σ flacht die Kurve ab und verbreitert sie, doch diese Gesamtfläche bleibt unverändert.
Die Glockenkurve auf dem Geldschein 🖖
Die Kurve war berühmt genug, um auf Geld zu erscheinen: Der deutsche 10-Mark-Schein, von 1991 bis 2001 im Umlauf, zeigte Carl Friedrich Gauß neben genau dieser Kurve und ihrer Formel f(x). Passenderweise verfeinerte er sie beim Modellieren von Messfehlern in der Astronomie. Doch Abraham de Moivre hatte die Form schon 1733 hergeleitet, Jahrzehnte vor Gauß’ Geburt — ein Musterbeispiel für Stiglers Gesetz, das scherzt, nichts sei nach seinem wahren Entdecker benannt.
Beispielaufgaben
- Standardnormal - Der Lehrbuchfall — μ = 0, σ = 1. σ = 1 bedeutet, dass Werte typischerweise 1 Einheit vom Mittelwert entfernt liegen. Die Grafik zeigt immer μ ± 4,5σ — hier −4,5 bis +4,5 — um 99,999 % der Verteilung abzudecken. Jede Normalverteilung lässt sich auf diese Skala umrechnen.
- IQ-Werte - IQ-Tests sind so normiert, dass der Bevölkerungsdurchschnitt bei 100 liegt — und σ = 15 bedeutet, dass individuelle Werte typischerweise um 15 Punkte abweichen. Die Grafik reicht von ca. 33 bis 168 (μ ± 4,5σ = 100 ± 67,5): Werte jenseits ±3σ (unter 55 oder über 145) sind real, aber selten — etwa 1 von 750 Personen. ±2σ zeigt, wie ungewöhnlich extreme Werte wirklich sind.
- Körpergröße - Körpergrößen vieler Bevölkerungen folgen einer Normalverteilung. σ = 10 cm bedeutet, dass individuelle Größen typischerweise um 10 cm abweichen. Die Grafik reicht von 125 bis 215 cm (μ ± 4,5σ = 170 ± 45) — Körpergrößen über 200 cm existieren, sind aber selten (ca. 1 von 750 Personen). Das Band (160–180 cm) entspricht dem, was die meisten als 'Durchschnittsgröße' bezeichnen.
- Prüfungsnoten - Eine Klasse mit Durchschnitt 65. σ = 12 bedeutet, dass individuelle Ergebnisse typischerweise um 12 Punkte abweichen. Die Grafik reicht von ca. 11 bis 119 (μ ± 4,5σ = 65 ± 54) und geht über 100 hinaus — die Normalverteilung hat keine feste Obergrenze; diese Ausreißer-Enden sind sehr flach und stehen für seltene Ergebnisse. Verschiebe x₁ und x₂ auf eine beliebige Notenspanne, um den Prozentsatz zu sehen.