Lektion
Die Theorie — Die Bragg-Gleichung & Röntgenbeugung
Die Bragg-Gleichung, nλ = 2d sin θ, ist die Voraussetzung dafür, dass ein Kristall eine Welle überhaupt reflektiert. Wellen, die an aufeinanderfolgenden Netzebenen gestreut werden, legen Wege zurück, die sich um 2d sin θ unterscheiden. Genau dort, wo dies einem ganzzahligen Vielfachen der Wellenlänge entspricht, addieren sie sich. Überall sonst treffen die Beiträge der Millionen von Ebenen darunter mit jeder nur denkbaren Phase ein und löschen sich gegenseitig aus. Der Winkel bildet dabei die eigentliche Messgröße. Aus ihm und der bekannten Wellenlänge ergibt sich direkt der Abstand d.
Was die einzelnen Symbole bedeuten
λ- die Wellenlänge der eintreffenden Welle, welche durch das Metallsystem der Quelle exakt bekannt ist
d- der senkrechte Abstand zwischen aufeinanderfolgenden Netzebenen, also die gesuchte Messgröße
θ- der Winkel zwischen dem einfallenden Strahl und den EBENEN, nicht deren Normalen; der Detektor befindet sich bei 2θ
n- die Beugungsordnung; durch sin θ ≤ 1 wird sie bei ⌊2d/λ⌋ begrenzt
- Setzt voraus
- Nimmt an, dass der Kristall perfekt und unendlich ausgedehnt ist. Demnach entscheidet allein die Geometrie darüber, ob ein Strahl auftritt. Ein realer Kristall misst jedoch nur einige tausend Elementarzellen. Das verbreitert jeden Peak von einer scharfen Nadel zu einer Linie mit messbarer Breite. Genau diese Breite wird dann genutzt, um die Kristallitgröße zu bestimmen.
- Versagt, wenn
- Stößt bei der Intensität an seine Grenzen. Diese Seite berechnet allein aus den Abständen und der Zentrierung, WO die Peaks liegen. Sie sagt nichts darüber aus, wie intensiv diese sind. Das hängt davon ab, welche Atome wo sitzen und wie stark jedes von ihnen streut, was das zentrale Thema des Strukturfaktors ist. Der (111)-Reflex von Steinsalz ist ein perfektes Beispiel dafür. Die Geometrie erlaubt ihn und die Seite zeigt ihn an. Natrium und Chlor streuen jedoch unterschiedlich und löschen sich teilweise aus, sodass der Reflex in einem realen Muster schwach ist, anstatt ganz zu fehlen.
Aufgabe vollständig gelöst
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Ein Pulverdiffraktogramm und der zugehörige Kristall 6 Schritte
Ein unbekanntes kubisches Metall wird zu Pulver zermahlen und in ein Diffraktometer mit Kupfer-Kα-Strahlung (λ = 0,154184 nm) gegeben. Strahlen treten bei 2θ = 44,710°, 65,079°, 82,412° und 99,048° aus, und sonst nirgends unterhalb von 100°. Bestimme den Gittertyp und die Größe der Elementarzelle.
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Halbiere jeden Winkel, um θ zu erhalten. Der Detektor sitzt bei 2θ, aber θ ist der Winkel in der Bragg-Gleichung. Das liefert 22,355°, 32,540°, 41,206° und 49,524°.
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Die Bragg-Gleichung mit n = 1 lautet sin θ = λ/2d. Für einen kubischen Kristall gilt d = a/√(h²+k²+l²). Wenn du das kombinierst, erhältst du sin²θ = (λ²/4a²)(h²+k²+l²). Der erste Klammerausdruck ist für alle vier Reflexe identisch. Die vier Werte von sin²θ stehen also im selben Verhältnis zueinander wie die vier Werte von h²+k²+l². Und das sind ganze Zahlen.
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Die vier Werte von sin²θ betragen 0,144659, 0,289318, 0,433976 und 0,578635. Teile jeden davon durch den ersten Wert. Das ergibt 1,0000, 2,0000, 3,0000 und 4,0000. Für h²+k²+l² ergibt sich über die Reflexe hinweg also das Verhältnis 1 : 2 : 3 : 4 oder ein gemeinsames Vielfaches davon.
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Nutze nun die Auslöschungen. Ein kubisch primitives Gitter erlaubt jedes (h k l). Seine Summen würden 1, 2, 3, 4, 5, 6 lauten, es gäbe also einen Reflex beim Verhältnis 5. Ein solcher fehlt hier. Ein flächenzentriertes Gitter erlaubt nur rein gerade oder rein ungerade Indizes. Das liefert die Summen 3, 4, 8, 11 und die Verhältnisse 1 : 1,333 : 2,667 : 3,667, was nicht zu den Messwerten passt. Ein raumzentriertes Gitter erlaubt nur eine gerade Summe h+k+l. Das führt zu den Summen 2, 4, 6, 8 und exakt dem beobachteten Verhältnis von 1 : 2 : 3 : 4. Das Metall ist somit kubisch raumzentriert und der erste Reflex ist (110).
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Da der erste Reflex als (110) identifiziert ist, gilt h²+k²+l² = 2. Daraus folgt a = λ√2 / (2 sin θ₁) = 0,154184 × 1,41421 ÷ (2 × 0,380341) = 0,286650 nm.
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Prüfe das direkt mit dem Tool statt im Lösungsheft. Klick auf Eisen und belasse die Quelle bei Kupfer-Kα. Die Zeile mit dem Abstand zeigt 0,20269 nm für (110), während der Strahl bei 2θ = 44,710° liegt. Das ist genau der erste gemessene Winkel. Die Zeile der Reflexe liefert eine 6. Das Beugungsmuster zeigt Peaks bei exakt den vier Winkeln aus der Aufgabenstellung und bei zwei weiteren oberhalb von 100°.
Antwort
Kubisch raumzentriert mit a = 0,286650 nm. Das entspricht α-Eisen. Die Lösung lieferten nicht die vier Winkel an sich, sondern ihre Verhältnisse und die anschließenden Lücken. Der Reflex bei Verhältnis 5 für ein kubisch primitives Gitter fehlt ebenso wie der Reflex bei 1,333 für ein flächenzentriertes Gitter. Die Struktur ergab sich allein aus den fehlenden Signalen.
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Quellen (3)
- Father and son, the year they worked out that a crystal reflects X-rays only at particular angles and what those angles say: W. H. Bragg and W. L. Bragg, "The reflection of X-rays by crystals." Proceedings of the Royal Society of London A 88(605), 1913, pp. 428–438. DOI 10.1098/rspa.1913.0040
- The paper the law is usually traced to, read to the Cambridge Philosophical Society at the age of 22: W. L. Bragg, "The Diffraction of Short Electromagnetic Waves by a Crystal." Proceedings of the Cambridge Philosophical Society 17, 1913, pp. 43–57. Reprinted in X-ray and Neutron Diffraction, Pergamon, 1966, pp. 109–125.
- The standard reference for powder patterns, systematic absences and reading a lattice off a set of angles: B. D. Cullity and S. R. Stock, Elements of X-Ray Diffraction, 3rd edition, Prentice Hall, 2001.