Lektion
Die Theorie — Das Kelly-Kriterium
Das Kelly-Kriterium bestimmt den Anteil f des Spielkapitals, den du bei einer wiederholten Wette einsetzen solltest, um die langfristige Wachstumsrate g(f) = p ln(1 + bf) + q ln(1 − f) zu maximieren. Diese Rate ist der Erwartungswert des Logarithmus des Wachstumsfaktors des Spielkapitals pro Wette. Bei einer Gewinnwahrscheinlichkeit p und einer Gewinnquote b zu 1 liegt das Maximum bei f* = (bp − q)/b. Entspricht der Gewinn dem Einsatz, gilt f* = p − q: Der optimale Einsatzanteil entspricht dann deinem Wettvorteil. Nach dem Gesetz der großen Zahlen liegt das Spielkapital eines einzelnen Spielers nach n Wetten auf logarithmischer Skala nahe bei eng(f). Das durchschnittliche Spielkapital beträgt hingegen (1 + (bp − q)f)n und wächst bei einer günstigen Wette mit jeder Erhöhung von f.
Was die einzelnen Symbole bedeuten
p- die Gewinnwahrscheinlichkeit jeder Wette; q = 1 − p
b- der Gewinn pro eingesetzter Einheit, zusätzlich zum zurückgezahlten Einsatz
f- der Anteil des aktuellen Spielkapitals, den du bei jeder Wette einsetzt
g(f)- die Wachstumsrate eines einzelnen Spielers pro Wette, gemessen im natürlichen Logarithmus
- Setzt voraus
- Du wiederholst dieselbe Wette mit unverändertem p und b. Die Wettresultate sind unabhängig voneinander, und das Spielkapital lässt sich beliebig fein aufteilen. Vor jeder Wette passt du den Einsatz auf den Anteil f des aktuellen Spielkapitals an.
Aufgabe vollständig gelöst
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Du hältst die Münze für 60–40. Tatsächlich ist sie 55–45. 4 Schritte
Du schätzt p = 0,6 und setzt den dazugehörigen Kelly-Anteil bei einem Gewinn in Höhe des Einsatzes. Die tatsächliche Gewinnwahrscheinlichkeit beträgt 0,55. Wie verändert sich deine Wachstumsrate? Was wäre mit halbem Kelly-Anteil passiert? Klick zuerst auf Kelly-Anteil: Du siehst deinen gewählten Einsatz und die Wachstumsrate, die du erwartest.
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Dein gewählter Einsatz und die erwartete Wachstumsrate aus der Anzeige:
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Der tatsächliche Kelly-Anteil ist p − q = 0,10. Mit 0,2 setzt du also das Doppelte des optimalen Anteils. Die Wachstumsrate beim tatsächlichen p:
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Die Hälfte deines Kelly-Anteils, 0,1, entspricht genau dem tatsächlichen Kelly-Anteil:
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Hätte deine Schätzung von 0,6 gestimmt, wären mit halbem Kelly-Anteil immer noch erhalten geblieben
Antwort
Beim tatsächlichen p beträgt die Wachstumsrate mit deinem vollen Kelly-Anteil −0,00014 pro Wette. Trotz eines Wettvorteils von 10 % lässt dieser vermeintlich optimale Einsatz dein Spielkapital mit Wahrscheinlichkeit eins gegen null gehen. Mit halbem Kelly-Anteil beträgt die Wachstumsrate +0,00501. Bei p = 0,55 ist das die höchstmögliche Rate. Hätte deine Schätzung gestimmt, hättest du dafür ein Viertel der Wachstumsrate aufgegeben. Schon eine Überschätzung der Gewinnwahrscheinlichkeit um fünf Prozentpunkte bringt deinen vollen Kelly-Anteil über den Einsatz mit Wachstumsrate null hinaus; bei p = 0,55 liegt diese Grenze bei 0,1987. Diese Asymmetrie ist der übliche Grund, nur einen Teil des Kelly-Anteils zu setzen.
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Lernpfad
Faire Spiele, die dich ruinieren
Quellen (2)
- The paper the page is named after: a gambler betting a fraction ℓ of his capital on an even-money channel symbol has growth G = q log(1 + ℓ) + p log(1 − ℓ), maximised at 1 + ℓ = 2q, that is ℓ = q − p; betting everything maximises the expected capital, "(2q)^N V₀", but "he would be broke with probability one if he continued indefinitely"; and the maximising gambler "will, with probability one, eventually get ahead and stay ahead" of one using any other fraction. Kelly's p is the chance of an error and q of a correct symbol, the reverse of the page's p and q: J. L. Kelly, Jr., A new interpretation of information rate. Bell System Technical Journal 35(4), 917–926 (July 1956). doi:10.1002/j.1538-7305.1956.tb03809.x
- The practitioner's account: the coin-tossing case with g(f) = p log(1 + f) + q log(1 − f), f* = p − q, the zero-growth stake f_c with f* < f_c < 1, Theorem 1 (part (ii): if g(f) < 0 the bankroll tends to 0 almost surely; part (iv): Kelly beats any essentially different strategy), betting everything as the 'bold' criterion that makes ruin almost sure, half Kelly's growth reduced to 3/4 of the maximum in the continuous approximation, and Thorp's own history: introduced to Kelly's paper by Claude Shannon at MIT in 1960, used it in play, and introduced it to gamblers in the first edition of Beat the Dealer (1962), with stakes 'modified somewhat in practice (generally down)': E. O. Thorp, The Kelly criterion in blackjack, sports betting, and the stock market. Chapter 9 in S. A. Zenios and W. T. Ziemba (eds.), Handbook of Asset and Liability Management, Volume 1, pp. 385–428. Elsevier, 2006. doi:10.1016/S1872-0978(06)01009-X