Lektion
Die Theorie — Optionales Stoppen
Von optionalem Stoppen spricht man, wenn das Ende eines Experiments anhand der Zwischenergebnisse entschieden wird: Man testet nach jedem Datenpaket und bricht ab, sobald das Ergebnis signifikant ist. Gilt bei jedem der K Blicke die feste Einzelschwelle |zk| ≥ 1,96, liegt das Risiko für einen falsch-positiven Befund bei P(|zk| ≥ 1,96 für mindestens ein k ≤ K) – und das übersteigt 5 % für jedes K ≥ 2. Eine gruppensequentielle Entscheidungsgrenze wählt Schwellenwerte c1, …, cK so, dass diese Wahrscheinlichkeit exakt 5 % beträgt: Pocock nutzt eine feste Konstante, O’Brien und Fleming verwenden CB√(K/k).
Was die einzelnen Symbole bedeuten
K- die Anzahl der Blicke, gleichmäßig über die Daten verteilt
zₖ- die z-Prüfgröße aller Daten bis Blick k
cₖ- der Schwellenwert bei Blick k; das Experiment stoppt, sobald |zₖ| ≥ cₖ
θ- der echte Effekt, der jedem Paket hinzugefügt wird, gemessen in Standardabweichungen der Summe eines Pakets
- Setzt voraus
- Die Daten sind normalverteilt mit bekannter Standardabweichung oder umfangreich genug für einen z-Test; die Blicke erfolgen in gleichen Abständen; alle Tests sind zweiseitig (jeder naive Blick auf dem 5-%-Niveau, jede Entscheidungsgrenze auf dem entsprechend strengeren Niveau, das die Gesamtrate bei 5 % hält); und der maximale Stichprobenumfang steht vorab fest und ist für jede Regel identisch, sodass die Blicke ihn lediglich unterteilen.
Aufgabe vollständig gelöst
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Der vierte von zehn Blicken 4 Schritte
Ein Online-Shop testet eine neue Bestellseite an 10.000 Besuchern und wertet die Daten nach jeweils 1.000 Besuchern aus. Wie klein muss der p-Wert beim vierten Blick unter der O’Brien–Fleming-Grenze sein, damit der Test dort stoppt? Klick zuerst auf 10 Blicke, O’Brien–Fleming: Die Seite zeigt den Schwellenwert beim ersten und beim letzten Blick.
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Laut Anzeige liegt die Schwelle beim letzten Blick bei CB:
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Jede andere Schwelle ist CB, skaliert mit √(K/k). Beim vierten von zehn Blicken:
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Als zweiseitiger p-Wert aus der Normalverteilung:
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Zum Vergleich der Abbruch bei beliebigem p < 0,05 über dieselben zehn Blicke laut Tabelle:
Antwort
p unter 0,00097, also etwa eins zu tausend. Ein Ergebnis von p = 0,004 beim vierten Blick, das einen naiven Test sofort mit einer Schlagzeile beenden würde, lässt die Studie nach O’Brien–Fleming weiterlaufen. Beim zehnten Blick liegt die Hürde bei p < 0,0369 – nur wenig strenger als 0,05 –, und das gesamte Verfahren begrenzt die Falsch-positiv-Rate verlässlich auf 5 %, während der naive Abbruch beim ersten p < 0,05 ganze 19,34 % durchlässt.
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Lernpfad
Was p < 0,05 nicht verspricht
Quellen (2)
- The first insight's history: Klim McPherson's 1974 note in the New England Journal of Medicine, showing that testing accumulating data ten times without adjustment raises a nominal 5% false-positive rate to nearly 20% (the page computes 19.34%), and his earlier tables of the inflation with Peter Armitage and B. C. Rowe (1969). Also the source for O'Brien and Fleming's 1979 boundary being the one that became standard: C. Gluud and K. Thorlund, "Long overdue recognition of Klim McPherson's 1974 article on sequential analysis of trial data," JLL Bulletin: Commentaries on the history of treatment evaluation, James Lind Library, 2025 (also J R Soc Med 2025;118:304–307). On K. McPherson, N Engl J Med 1974;290:501–502; P. Armitage, C. K. McPherson and B. C. Rowe, J R Stat Soc A 1969;132:235–244; P. C. O'Brien and T. R. Fleming, Biometrics 1979;35:549–556.
- Pocock's group sequential design: patients enter in equal-sized groups, the trial stops or continues after each group on a repeated significance test, with exact results for two treatments and a normal response of known variance, which is the model the page computes. The constants the page prints (2.178, 2.289, 2.361, 2.413, 2.555 for 2, 3, 4, 5, 10 looks) are the module's own, asserted in check:compute: S. J. Pocock, "Group sequential methods in the design and analysis of clinical trials," Biometrika 64(2), 191–199, 1977. doi:10.1093/biomet/64.2.191