Lektion
Die Theorie — Teilchen im Kasten
Ein Teilchen im Kasten bewegt sich frei zwischen zwei Wänden im Abstand L, kann sie aber nicht überwinden. Seine Wellenfunktion muss deshalb an beiden Wänden null sein. In den Kasten passen nur ganzzahlige Vielfache einer halben Wellenlänge, L = nλ/2. Da λ = h/p gilt, gehört zu jeder zulässigen Wellenlänge genau eine Energie: Eₙ = n²h²/(8mL²), mit n = 1, 2, 3, … Die Wellenfunktionen lauten ψₙ = √(2/L) sin(nπx/L). |ψₙ|² dx ist die Wahrscheinlichkeit, das Teilchen zwischen x und x + dx zu finden.
Was die einzelnen Symbole bedeuten
L- die Breite des Kastens
n- die Nummer des Energieniveaus, eine ganze Zahl ab 1; das Niveau n hat n − 1 Knoten
Eₙ- die Energie des Niveaus n, gleich n² mal E₁
ψₙ- die Wellenfunktion des Niveaus n
|ψₙ|²- die Wahrscheinlichkeitsdichte; ihr Integral über den Kasten ist 1
m- die Masse des Teilchens, hier die Elektronenmasse von 9,109×10⁻³¹ kg
N- die Anzahl der π-Elektronen in einem Farbstoff, von unten beginnend jeweils zwei pro Energieniveau
- Setzt voraus
- Unendlich hohe und unendlich dünne Wände, sodass die Wellenfunktion bei x = 0 und x = L exakt null ist. Eine räumliche Dimension. Für die Farbstoffe werden π-Elektronen angenommen, die einander nicht abstoßen und die Energieniveaus von unten beginnend zu zweit besetzen. Der Kasten reicht an beiden endständigen Kohlenstoffatomen um je eine halbe Bindungslänge über die Kette hinaus: L = Nℓ, mit ℓ = 0,1397 nm, dem Kohlenstoff-Kohlenstoff-Abstand im Benzol.
- Versagt, wenn
- Reale Wände sind nur endlich hoch, und die Wellenfunktion dringt ein Stück in sie ein. Die Energieniveaus liegen daher niedriger, als diese Seite angibt. Eine hinreichend dünne Wand kann das Teilchen sogar durchdringen; das ist der quantenmechanische Tunneleffekt. In einem Molekül stoßen sich die π-Elektronen gegenseitig ab und werden von den positiven Atomrümpfen angezogen, sodass das Potential an jedem Atom eine Mulde hat. Wechseln sich Einfach- und Doppelbindungen wie in einem Polyen ab, bleibt durch diese periodische Struktur eine Energielücke bestehen, die der flache Kasten nicht besitzt. Bei langen Ketten sagt das Kastenmodell deshalb Absorptionen voraus, die viel zu weit im roten Bereich liegen.
Aufgabe vollständig gelöst
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Wie sich das mittlere Drittel bei einem Drittel einpendelt 5 Schritte
Mit welcher Wahrscheinlichkeit befindet sich das Elektron auf einem beliebigen Niveau n im mittleren Drittel des Kastens? Die Seite gibt den Wert für jeweils ein Niveau aus. Bestimme ihn auf einmal für alle n und untersuche, wie schnell er sich dem klassischen Drittel nähert. Klick für den ersten Fall auf 1-nm-Kasten, Grundzustand.
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Für den Grundzustand zeigt die Seite:
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Die Dichte lautet (2/L) sin²(nπx/L). Ersetzt du sin² durch ½(1 − cos), ergibt das Integral über das mittlere Drittel ein Drittel abzüglich eines Sinusterms:
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Für n = 1 ist der Ausdruck in der Klammer sin(4π/3) − sin(2π/3) = −√3. P ist somit ein Drittel plus √3/(2π):
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Für n = 2 ergibt die Klammer +√3. Damit ist P ein Drittel minus √3/(4π), also die 19,6 % aus der zweiten Voreinstellung:
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Beide Sinuswerte verschwinden, wenn n durch 3 teilbar ist. Andernfalls ergibt die Klammer −√3 oder +√3, je nachdem, ob bei der Division von n durch 3 der Rest 1 oder 2 bleibt:
Antwort
P = 1/3 + √3/(2nπ), wenn n bei der Division durch 3 den Rest 1 lässt; P = 1/3 − √3/(2nπ), wenn der Rest 2 bleibt; und P = 1/3, wenn n durch 3 teilbar ist. Das quantenmechanische Ergebnis schwankt um das klassische Drittel. Die Abweichung nimmt wie 1/n ab: 27,6 Prozentpunkte bei n = 1, 2,76 bei n = 10 und 0,0276 bei n = 1.000. Auch bei großen n zeigt |ψ|² noch Wellen. Sie liegen jedoch so dicht beieinander, dass jeder festgelegte Abschnitt des Kastens nahezu seinen klassischen Anteil enthält. So zeigt sich das Korrespondenzprinzip am Teilchen im Kasten.
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Lernpfad
Quantenmechanik: Materie als Wellen
Quellen (3)
- The measured absorption maxima of the polyenes in the dye table: 1,3-butadiene 217 nm, 1,3,5-hexatriene 258 nm, 1,3,5,7-octatetraene 290 nm, and β-carotene, with 11 double bonds in conjugation, at 455 nm: J. McMurry, Organic Chemistry, OpenStax, Houston, 2023. Sections 14.8, "Interpreting Ultraviolet Spectra: The Effect of Conjugation", and 14.9, "Conjugation, Color, and the Chemistry of Vision".
- The cyanine dyes' vinylene shift: each added CH=CH moves the absorption about 100 nm to the red, first reported by König in 1925: H. Mustroph and R. W. Horobin, "Classification and naming of polymethine dyes used as staining agents for microscopy. A short guide for biomedical investigators." Biotechnic & Histochemistry 98(8), 545–553 (2023). doi:10.1080/10520295.2023.2263837
- Why cyanines and polyenes differ: a cyanine's two resonance forms equalise its C–C bond lengths, confirmed by X-ray structures, while polyenes alternate single and double bonds and redden much less as the chain grows: R. S. Lepkowicz, O. V. Przhonska, J. M. Hales, J. Fu, D. J. Hagan, E. W. Van Stryland, M. V. Bondar, Y. L. Slominsky and A. D. Kachkovski, "Nature of the electronic transitions in thiacarbocyanines with a long polymethine chain." Chemical Physics 305, 259–270 (2004). doi:10.1016/j.chemphys.2004.06.063