Lektion
Die Theorie — Operationsverstärker & Gegenkopplung
Ein Operationsverstärker multipliziert die Spannungsdifferenz zwischen seinen beiden Eingängen mit einer sehr großen Leerlaufverstärkung A: Vout = A(V+ − V−). Die Ausgangsspannung wird dabei durch die Versorgungsspannungen begrenzt. Bei der Gegenkopplung wird der Anteil β = Rg/(Rg + Rf) der Ausgangsspannung auf den invertierenden Eingang zurückgeführt. Die nichtinvertierende Stufe erhält dadurch die Verstärkung G = (1/β)/(1 + 1/(Aβ)). Mit wachsendem A nähert sie sich 1 + Rf/Rg; bei der invertierenden Stufe nähert sich die Verstärkung −Rf/Rg. Das Produkt Aβ heißt Schleifenverstärkung. In einem Modell mit einer Polstelle nimmt A mit der Frequenz gemäß A(f) = A₀/(1 + j f A₀/GBW) ab. Das Verstärkungs-Bandbreiten-Produkt GBW ist das Produkt aus A₀ und der Polfrequenz im Leerlauf. Es entspricht nahezu der Frequenz, bei der die Leerlaufverstärkung auf 1 gefallen ist.
Was die einzelnen Symbole bedeuten
A- Leerlaufverstärkung des OPV: der Faktor, mit dem er V+ − V− multipliziert. A₀ bezeichnet den Wert bei Gleichspannung. Mit zunehmender Frequenz nimmt die Leerlaufverstärkung ab
β- Rückkopplungsfaktor Rg/(Rg + Rf): der Anteil der Ausgangsspannung, der auf den invertierenden Eingang zurückgeführt wird
Aβ- Schleifenverstärkung. Die relative Abweichung der Stufe von ihrer idealen Verstärkung beträgt genau 1/(1 + Aβ)
GBW- Verstärkungs-Bandbreiten-Produkt in Hertz: A₀ mal Polfrequenz im Leerlauf. Es entspricht nahezu der Frequenz, bei der die Leerlaufverstärkung auf 1 gefallen ist
- Setzt voraus
- Das Modell berücksichtigt genau eine Polstelle. Es gibt keine Begrenzung der Spannungsänderungsgeschwindigkeit, keine Eingangs-Offsetspannung und keinen Eingangsruhestrom. Eine zweite Polstelle fehlt ebenfalls. Die Widerstände haben exakt die angegebenen Werte, und der Ausgang lässt sich bis zu den Versorgungsspannungen aussteuern. Die begrenzte Kurve entsteht, indem der eingeschwungene, unbegrenzte Verlauf an den Versorgungsspannungen abgeschnitten wird. Das setzt voraus, dass der OPV die Sättigung sofort verlässt, sobald das Signal es zulässt; ein realer OPV braucht dafür Zeit. Bei vertauschten Eingängen wird das Umschalten zwischen den Versorgungsspannungen als sofortiger Sprung dargestellt.
Aufgabe vollständig gelöst
-
20 kHz durch einen ×100-Vorverstärker 6 Schritte
Ein Sensor liefert 50 mV. Das Signal soll bei Frequenzen bis 20 kHz auf 5 V verstärkt werden. Deine OPV haben A₀ = 100.000 und ein Verstärkungs-Bandbreiten-Produkt von 1 MHz. Reicht eine nichtinvertierende ×100-Stufe mit Rf = 99 kΩ und Rg = 1 kΩ aus? Falls nicht, welche Schaltung eignet sich?
-
β = 1/(1 + 99) = 0,01. Damit ist Aβ = 1.000, und die Gleichspannungsverstärkung beträgt 100/(1 + 1/1.000) = 99,9001. Bei niedrigen Frequenzen werden aus 50 mV also 4,9950 V. Zu 5 V fehlen die 0,1 %, die sich aus 1/(1 + Aβ) ergeben.
-
Die Polfrequenz des OPV im Leerlauf liegt bei GBW/A₀ = 10 Hz. Die Gegenkopplung erhöht sie um den Faktor 1 + Aβ = 1.001 auf 10.010 Hz. Das ist die Bandbreite der Stufe. Ihr Produkt mit der Verstärkung beträgt 99,9001 × 10.010 = 1.000.000 Hz.
-
Bei 20 kHz, also etwa der doppelten Bandbreite, beträgt die Verstärkung 99,9001/√(1 + (20.000/10.010)²) = 44,7124. Die Ausgangsamplitude erreicht damit 2,2356 V, weniger als die Hälfte des Zielwerts.
-
Verteile die Verstärkung auf zwei ×10-Stufen mit jeweils Rf = 9 kΩ und Rg = 1 kΩ. Jede hat Aβ = 10.000, eine Gleichspannungsverstärkung von 9,9990 und eine Bandbreite von 100.010 Hz. Das ist die zehnfache Bandbreite der einzelnen ×100-Stufe. Stell im Werkzeug eine solche ×10-Stufe bei 20 kHz ein: Du liest eine Verstärkung von 9,8049 ab.
-
Bei hintereinandergeschalteten Stufen multiplizieren sich die Verstärkungen: 9,8049² ≈ 96,14. Aus 50 mV werden bei 20 kHz somit 4,8068 V.
-
Die Gesamtschaltung hat zwei Polstellen bei 100.010 Hz. Ihre −3-dB-Grenze liegt unter der jeder einzelnen Stufe. Der quadrierte Amplitudengang der einzelnen Stufe ist um den Faktor √2 gefallen, wenn 1 + (f/100.010)² = √2 gilt. Daraus folgt f = 100.010 · √(√2 − 1) = 64.366 Hz.
Antwort
Eine ×100-Stufe liefert bei 20 kHz 2,2356 V; zwei ×10-Stufen liefern 4,8068 V. Das sind 96 % des Zielwerts. Die Gesamtschaltung erreicht ihre −3-dB-Grenze bei 64.366 Hz. Jeder OPV bringt sein eigenes Verstärkungs-Bandbreiten-Produkt ein. Deshalb hat jede ×10-Stufe die zehnfache Bandbreite der ×100-Stufe; zusammen erreichen sie die 6,4-fache Bandbreite. Das Werkzeug zeigt jeweils eine Stufe. Für die Hintereinanderschaltung rechnest du mit den angezeigten Werten weiter. Der letzte Schritt macht deutlich, weshalb: Zwei identische Stufen zusammen haben eine geringere Bandbreite als eine einzelne.
-
Lernpfad
Was kein Widerstand ist
Quellen (1)
- The first insight's history, and the result the whole page rests on: with |μβ| ≫ 1 the output is −e/β, "independent of μ but does depend upon β". The 0.01 dB against 0.7 dB figures quoted in that block are Black's own: H. S. Black, "Stabilized Feedback Amplifiers." Bell System Technical Journal 13(1), January 1934, pp. 1–18. DOI 10.1002/j.1538-7305.1934.tb00652.x